Pazifistische Kriegserklärung gegen den Allianz Konzern
Rai-Breitenbach. Mit einem Akt, der zumindest in der deutschen Geschichte bisher einmalig sein dürfte, wehrt sich ein 900-Seelen-Dorf in Südhessen gegen das aus seiner Sicht existenzvernichtende Verhalten eines Konzerns: Die Genossenschaft Bioenergiedorf eG Rai-Breitenbach hat am heutigen Sonntag (28.) der Allianz Versicherungs-AG den „gewaltfreien und pazifistischen Krieg“ erklärt. Mit gewaltfreien Mitteln wollen die Betreiber eines Blockheizkraftwerkes mitsamt Nahwärmenetz erreichen, dass ihreVersicherung sich nach einem Brand im Kraftwerk der eG nicht länger Gesprächen um eine möglichst baldige Schadensregulierung verweigert.
Dabei berufen sich die 172 Genossen unter anderem auf die UN-Charta von 1945, den UN-Global-Compact-Prozess von Kofi Annan (1999) und das 2009 im UN-Haupotquartier erstmalig veröffentlichte Manifest „Globales Wirtschaftsethos“, initiiert unter anderem von Hans Küng.
Zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlasst sieht sich die genossenschaftlich organisierte, aber betriebswirtschaftlich orientierte Unternehmung wegen der hohen Zusatz- und Folgekosten, die seit dem Brand vor mehr als 160 Tagen entstanden sind und weiter entstehen. Wie die Genossen bei einer Pressekonferenz am Sonntag verdeutlichten, sehen sie ein Überleben und Fortbestehen ihres Unternehmens wegen dieser Kosten akut und langfristig gefährdet. „Seit mehr als 160 Tagen versuchen wir, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Geschäftsbetrieb und die Wärmeversorgung aufrecht zu erhalten. Durch den Notbetrieb entstehen hohe Zusatzkosten, welche die Wärmekunden über einen erhöhten Wärmepreis versuchen abzufangen“, erläuterte Vorstandsmitglied Dr. Dieter Becker. Zwar sei die eG über die Allianz für diese Schäden inklusive Nutzungsausfall für Brandfolgekosten abgesichert, doch würden Anfragen deutlich ablehnend beschieden. Der Versicherer verweigere jegliche Form der Kommunikation „über die Sicherung unserer Zukunft“.
Die Genossenschaft Bioenergiedorf Rai-Breitenbach versorgt im gleichnamigen Breuberger Stadtteil 132 Häuser und damit etwa 75 Prozent der Haushalte im Ort mit Wärmeenergie. Mit ihrem Akt der pazifistischen und gewaltfreien Kriegserklärung wollen die Odenwälderauch auf die aktuell verstärkt diskutierte Ohnmacht von Menschen gegenüber sogenannten systemrelevanten Organisationen hinweisen: „So lange Juristen mit Juristen, Manager mit Managern und Politiker mit Politikern reden, so lange man sich hinter scheinbar anonymen Systemen, Funktionen und Organisationshandbüchern versteckt, so lange wird die Krise wieder oder weiter wachsen. Menschen müssen mit Menschen reden, Vertrauen und Gesprächsbereitschaft sind die beiden wichtigsten Güter, die wir besitzen. Es geht um nichts anderes als die Frage, ob etwas menschengerecht und zukunftsorientiert ist“, erklärt Becker.
Stroh und Gras als Dämmstoff Bioenergiedorf: Arbeiten am Heizkraftwerk in Rai-Breitenbach beginnen am Freitag mit dem ersten Spatenstich RAI-BREITENBACH. Das Projekt Bioenergiedorf Rai-Breitenbach nimmt handfest Gestalt an. Das Areal gegenüber der Georg-Ackermann-Schule, auf dem das Biomasse-Heizwerk errichtet werden soll, ist markiert; der erste Spatenstich wird am Freitag (1.) um 14 Uhr gesetzt. mehr ...
Am Freitag, dem 1. Juni findet im ersten hessischen Bioenergiedorf Rai-Breitenbach der Spatenstich zum Bau eines Biomasseheizkraftwerks auf Basis von 100% nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Raps und Sonnenergie statt. Träger des Projekts sind 145 Mitglieder einer Bioenergiegenossenschaft aus dem Breuberger Stadtteil, die sich vor elf Monaten zu diesem ökologischen Vorzeigeprojekt zusammengschlossen hatten.
Pilotprojekt: Interessengemeinschaft gründet Genossenschaft: 102 Mitglieder zeichnen Anteile, 50 weitere warten noch
RAI-BREITENBACH. Der Breuberger Stadtteil Rai-Breitenbach ist auf dem Weg, das erste Bioenergiedorf in Hessen zu werden. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung vollzogen 102 örtliche Gründungsmitglieder, die gestern im Dorftreff die „Bioenergiedorf Breuberg Rai-Breitenbach eG“ aus der Taufe hoben. Weitere etwa 50 potenzielle Interessenten für den Beitritt zu dieser Genossenschaft stehen in den Startlöchern. mehr ...